Der Anfang

Hundeaffine möchte ich mich nennen. Meine Eltern haben mal gesagt diese Affinität sei natur gegeben, soweit möchte ich mich nicht aus dem Fenster lehnen.
Lieber sag ich über mich, dass ich als Mensch dem Wesen welches vor Urzeiten sich entschieden hat sich zum Menschen zu gesellen um daraus seinen Vorteil zu ziehen, einfach mehr als wohl gesonnen bin.

Meine Verlobte und ich besitzen zwei Hunde, und wenn ich die Mittel hätte noch ein Kind und sieben weitere. Wir beide sind auch Hundesportler und das ambitioniert. Jedoch treffen die Klischees nicht ganz auf uns zu. Auf dem Platz erwarte wir zwar auch rigides Gehorsam aber nach dem Motto „die Mittel heiligen den Zweck.“ 🙂 Dies kann zu mal zu Misverständnissen im Verein führen da wir unser Training an unsere Hunde anpassen und so mit nicht bei Gruppen mitmachen können usw.

Wie das aussieht kann ich an meinem Großen gut ausführen.
Xento hat ein nur schätzbares Alter von 5 bis 7 Jahren. Ich habe ihn nun schon 3 Jahre daher fand seine Ausbildung erst sehr spät in seinem Leben an. Es ist unverkennbar das er schon einiges erlebt hat in seiner Zeit vor dem Tierheim aus dem wir ihn geholt haben, und das es nichts gutes war. Er hat seinen Anschluss an mich damals sofort gefunden und dieser wuchs stetig mehr. Von Anfang an war er ein sehr ruhiger Hund der an der Leine Problematiken mit anderen Hunden aufwies. Anfangs konnten wir nicht in einer Gruppe Unterordnung machen und mussten uns erst mal hoch arbeiten, dennoch haben wir dann die BH nach 8 Monaten Training geschafft. Es folgte der Sport; THS (Turnier Hundesport).
Ich habe vieles schon mit Xento versucht bezüglich seiner Problematik an der Leine und seiner Trägheit bei der Unterordnung. An den Geräten war der Spaß ja vorprogrammiert ;). Alle beiden, ich benenne sie mal Unarten, wurden doch einen Prozess gelöst welchen ich dem natürlichen Drang zum Verständnis anrechne. Dominanz und Unterdrückung sind in meinen Augen wirkliche Unarten welche ich nicht als einzige Lösungen hoffte. Ich wollte meinen Hund nicht brechen und bin auch immer stehts der Meinung es gibt andere Wege an ein Ziel zukommen, und auch wenn sie mehr Zeit brauchen und auch die verpönte Selbst-Erkenntnis sind sie meist gesünder und vor allem näher an dem Ideal dem ich anstrebe.
Geduld, Ruhe, Einsicht (sowie Nachsicht) und nochmals Geduld…
Xento ist ein sehr sensibler Hund. Sollte ich zu hart am Platz mit ihm umgehen habe ich ihn verloren. Bis vor zwei Monaten, als ich eine Disqualifikation für Ungehorsam bekommen habe, war ich in einem Trott gefangen in dem Unterordnung nur „the necessary evil“ von THS war. Es war langweilig, und Xento fand das wie sein Herrchen. Eigentlich war die Entäuschung von dem Turnier vorprogrammiert.
Naja, es muss kommen wie es kommen muss und ehrlich gesagt Xento konnte garnichts dafür. Mir war im training langweilig, also war das training mit mir (eigentlich dann ich) auch langweilig. Da muss man sich garnicht wundern.
Damit ich mich nicht quäle und somit meinen lieben Hund musste ich die Art meines Trainings anpassen. Anstatt stupides Auf und Ablaufen im Gehorsam musste ich Spaß für mich und somit auch für Xento einbauen. Die Antwort war Spannung! und Ruhe!… Keine langen Sequenzen mit Links oder Rechtswendungen, dann mal ein Platz und Sitz. Kein schon im Gehorsam auf den Platz zu dackeln.
Das erste was auf dem Platz jetzt passiert ist an dem Mann spielen mit einem Reißer.
Dann mal kurz ins Gehorsam rufen und prompt wieder Spielen. Es folgen kurze Sequenzen diverser UO Übungen, aber immer nach dem gleichen Schema „Wann kommt das Spielen und die Freude“.
Durch diese Veränderung kam Action in unser Training was an sich dann auch Veränderungen in uns weckte. Xento ist jetzt gespannt und lässt sich regelrecht von meinen Augen und meiner Spannung bannen was dazu führt, dass er regelrecht darauch wartet mit mir zu arbeiten. Freude und Erwartung spiegeln sich jetzt in seinen Augen und in seiner Körperhaltung wieder, ob das reicht beim nächsten Turnier keine Dis zu bekommen weis ich nicht, aber ist mir auch egal denn wir haben jetzt Spaß dort wo wir mal keinen hatten.

Unsere kleine Fee dagegen ist ein ganz anders Kaliber und muss daher auch anders gearbeitet werden.
Zu ihrer fast 13 Monaten Sturmphase kommt noch ihr Rasse gegebene Übermut und Power. Arbeitet man mit ihr falsch kommt man sehr schnell an seine Frustrations Grenzen, auch ich als eigentlich sehr sehr ruhiger Mensch hatte schon Momente in denen ich sie gerne einfach mal gegen die Wand geklatscht hätte. Leider kann ich das auf niemanden schieben, ihre Schuld ist es nicht, und die meiner Verlobten (ihre eigentliche Trainerin) auch nicht. Es ist in diesem Fall leider immer mein Fehler, also ein Führerfehler (95%). Fee kann nicht geführt werden wie Xento, er ist sensible und sie braucht eine konsequente führende Hand. Sie erwartet von Natur aus, dass wenn sie auf dem Platz ist gearbeitet wird, rumstehen ist langweilig. Um den Kontrast begrifflich zu machen nehme ich jetzt die Platzablage, Xento legt sich in die Ablage und auch wenn er schön liegt (was nicht immer der Fall ist) chillt er vor sich hin, gelassen und ruhig. Fee dagegen liegt wie die Sphinx unter Strom, immer. Sie will arbeiten und sie will korrekt arbeiten, das ist einfach wie sie ist und sie wird sich nicht ändern nur weil man es von ihr erwartet, das kann sie auch nicht. Also, muss man sich ihr anpassen und erst dann kann sie sich der Führung anpassen. Auch sie trainiert mit meiner Verlobten einzeln auf dem Platz, noch unter Aufsicht, aber nie in einer Gruppe außer der Focus des Trainings besteht darin unter Ablenkung zu arbeiten.

So viel zu meinem ersten Beitrag, das Thema war hoffentlich heraus zu lesen.

Eine Fußnote noch zum Schluss „der Zweck heiligt die Mittel“. Corale, Stachel, Würger, Teletakt werden bei uns nicht toleriert, genauso wie das Unterwerfen eines Hundes, da ist mir auch egal wie aggresiv er sein mag. Wer die Zeit und Geduld nicht hat seinen Hund durch Kooperation auszubilden hat den falschen Hund, oder sollte lieber Fußball spielen.

Hoffe ihr kommt bald mal wieder.

X+J

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